Journal Preise 08. September 2026 9 Min

Was kostet ein Logo in Deutschland wirklich?

Von der 20-Euro-Plattform bis zur fünfstelligen Agenturmarke: was in jeder Preisklasse tatsächlich enthalten ist, wo die versteckten Kosten liegen und woran Sie ein zu billiges Logo erkennen, bevor Sie zahlen.

Die ehrliche Antwort lautet: zwischen 20 und 20.000 Euro. Das hilft niemandem weiter, deshalb hier die Aufschlüsselung — was in jeder Preisklasse enthalten ist, was fehlt, und woran Sie merken, dass Sie am Ende doppelt zahlen.

Warum die Spanne so gewaltig ist

Ein Logo ist kein Produkt mit definiertem Lieferumfang. Zwei Anbieter können beide „ein Logo” verkaufen und dabei völlig Unterschiedliches meinen. Der eine liefert eine PNG-Datei mit 1000 Pixeln Breite, der andere ein Vektorpaket mit Anwendungsregeln, Farbfächer-Zuordnung und dokumentierter Markenrecherche.

Der Preisunterschied entsteht an vier Stellen: wie viel Arbeitszeit einfließt, wie viele Menschen davon leben, welche Dateien Sie am Ende bekommen und ob jemand geprüft hat, ob Sie das Zeichen überhaupt verwenden dürfen.

Die vier Preisklassen

20 bis 300 Euro — Plattformen und Generatoren

Design-Plattformen, KI-Generatoren und Marktplätze mit Anbietern aus Niedriglohnländern. Sie bekommen schnell etwas, das aussieht wie ein Logo.

Was in dieser Klasse regelmäßig fehlt: Vektordaten. Sie erhalten häufig nur Pixelbilder, die bei der ersten Fahrzeugbeschriftung unbrauchbar sind. Ebenso fehlt jede Prüfung, ob das Zeichen bereits jemandem gehört — und generierte Logos ähneln einander naturgemäß, weil sie aus denselben Bausteinen entstehen.

Sinnvoll ist diese Klasse für: einen Verein ohne Außenauftritt, ein Nebenprojekt, einen Test.

250 bis 900 Euro — Einzelgestalter mit Festpreis

Eine Person, ein definierter Lieferumfang, ein fester Preis. Sie sprechen direkt mit der Person, die auch zeichnet.

In dieser Klasse sollten Vektordaten selbstverständlich sein. Achten Sie darauf, dass die Zahl der Korrekturrunden vorher feststeht, und fragen Sie ausdrücklich, ob eine Recherche im Markenregister enthalten ist. Bei den meisten Anbietern ist sie es nicht.

Sinnvoll für: Handwerksbetriebe, Ladengeschäfte, Praxen, Gastronomie, Gründungen — überall dort, wo ein solides Zeichen gebraucht wird und keine Markenstrategie.

1.500 bis 6.000 Euro — Werbeagentur

Hier zahlen Sie ein Team: Kundenberatung, Projektleitung, Gestaltung, oft eine Präsentationsrunde mit mehreren Personen. Dafür bekommen Sie mehr als ein Logo — Positionierung, Farbwelt, Schriftsystem, Anwendungen über mehrere Medien.

Das ist kein überzogener Preis, sondern ein anderer Leistungsumfang. Die Frage ist nur, ob Sie ihn brauchen.

Ab 10.000 Euro — Markenagentur

Marktforschung, Wettbewerbsanalyse, Namensentwicklung, Markenarchitektur, umfassendes Handbuch. Relevant ab einer Unternehmensgröße, in der ein Markenauftritt über viele Standorte und Abteilungen konsistent gehalten werden muss.

Die versteckten Kosten

Der Preis auf der Rechnung ist selten der Gesamtpreis. Vier Posten tauchen erst später auf:

Nachlieferung von Dateiformaten. Sie brauchen für den Folienplotter eine EPS-Datei, haben aber nur PNG. Manche Anbieter berechnen das nach, andere sind nicht mehr erreichbar.

Nutzungsrechte. Wenn im Vertrag keine vollständige Rechteübertragung steht, gehört Ihnen das Zeichen möglicherweise nicht so, wie Sie denken. Besonders heikel wird das bei einer späteren Markenanmeldung oder einem Firmenverkauf.

Die Kollision. Der teuerste Posten. Wenn Ihr Logo einem eingetragenen Zeichen zu ähnlich ist und der Inhaber das bemerkt, kommt eine Abmahnung. Dann zahlen Sie Anwaltskosten, gestalten neu und tauschen alles aus — Schilder, Fahrzeuge, Drucksachen, Website.

Der Neuanwurf nach zwei Jahren. Der häufigste Fall in der Praxis. Ein billiges Logo funktioniert am Bildschirm, aber nicht auf dem Transporter, nicht einfarbig gestickt, nicht als Profilbild bei 40 Pixeln. Irgendwann wird es doch neu gemacht — dann haben Sie zweimal bezahlt.

Sechs Fragen vor der Beauftragung

Stellen Sie diese Fragen, bevor Sie zusagen. Die Antworten sagen mehr über die Qualität als jedes Portfolio:

  1. Bekomme ich Vektordaten, und in welchen Formaten genau?
  2. Wie viele Korrekturrunden sind enthalten, und was kostet eine weitere?
  3. Wird im Markenregister recherchiert, und bekomme ich das Ergebnis schriftlich?
  4. Werden die Nutzungsrechte vollständig und unbefristet übertragen?
  5. Gibt es eine einfarbige und eine negative Fassung?
  6. Was passiert, wenn mir am Ende keiner der Entwürfe gefällt?

Wer bei Frage drei ausweicht, hat nicht recherchiert. Wer bei Frage sechs keine Antwort hat, hat darüber nie nachgedacht.

Der Test, den jedes Logo bestehen muss

Bevor Sie zusagen, prüfen Sie den Entwurf selbst — das kostet fünf Minuten:

Drucken Sie ihn in Schwarzweiß auf zwei Zentimeter Breite aus. Ist er noch erkennbar? Stellen Sie ihn sich auf einer weißen Transporterseite aus zehn Metern Entfernung vor. Und schauen Sie ihn als 40-Pixel-Profilbild an.

Ein Logo, das diese drei Prüfungen besteht, ist sein Geld wert. Eines, das nur am großen Bildschirm überzeugt, wird Sie ein zweites Mal kosten.

Was ich mache und was nicht

Damit Sie es einordnen können: Ich arbeite in der zweiten Klasse, zum Festpreis von 249 Euro. Enthalten sind eine Wort-Bild-Marke in drei ausgearbeiteten Richtungen, drei Revisionsrunden, eine dokumentierte Ähnlichkeitsrecherche im DPMA-Register und alle Ausgangsdaten in Vektor.

Nicht enthalten sind Markenstrategie, Corporate Design über viele Medien, Kampagnen und Rechtsberatung. Wenn Sie das brauchen, sind Sie bei einer Agentur richtig — und das sage ich Ihnen im Erstgespräch, statt Ihnen ein Angebot zu schreiben.

Florian · Logoklar

Logodesign zum Festpreis aus Thüringen. Schreibt hier über Preise, Markenrecht und das, was in der Praxis mit Logos schiefgeht.